Rajasthan als Selbstfahrer

 

Jawai Leopard Camp

Eine Selbstfahrerreise in Indien? Als man mir diese Option anbot, hatte ich zunächst nur Fragen: Wie genau läuft es dort ab? Was muss man sich darunter vorstellen? Genau um das herauszufinden, bin ich zunächst nach Udaipur geflogen. Der erste Anlaufspunkt war das Jawai Leopard Camp, eine luxuriöses Anlage mit nur 8 Hauszelten, abseits der Hauptwege inmitten einer felsigen, Buschlandschaft gelegen. Jawai Leopard präsentiert sich in den Farben schwarz, rot und silber, mit einer Mischung aus puristischer Eleganz aus Stein & Stahl sowie mit indischen Deko-Elementen. Planquadratisch angelegt, führen schmale Wege durch hohes Gras zu den Zelten. Diese haben rundum eine Veranda mit Sitzgelegenheiten, ein großes Schlafzimmer mit Doppelbett, Nachttisch, Truhe für Wertgegenstände, Schreibtisch und ein angeschlossenes Bad. Abends sind nicht nur die Wege zum Hauptzelt mit Petroleumlampen beleuchtet - über 100 Petroleumlampen lassen die Ebene sowie einen kleinen Hügel hinter dem Hauptzelt wie ein Sternenmeer funkeln. Mehrere Lagerfeuer spenden Wärme und verstärken das traumhafte Gesamtkonzept.

Der Ansatz dieser exklusiven Lodge ist ein allumfassender. Aktiver Schutz der ca. 50 Leoparden die hier leben, Unterstützung der örtlichen Bevölkerung, Ausflüge in die Natur sowie zu Dörfern, Vermittlung von einer lehrreichen Erfahrung.

Nach meiner kurzen Stippvisite bei Jawai ging es  zunächst zu einem Treffpunkt an der Hauptstraße nach Jodphur. Hier traf ich auf meinen Gastgeber Uday und stieg von meiner klimatisierten Limousine in einen offenen Mahindra Jeep um. Nach knapp 5 Kilometer auf einer schmalen asphaltierten Nebenstraße, bog Uday auf eine Sandpiste ab und fragte „You want to try?“

Klar wollte ich, war doch diese Erfahrung der Hauptanlass meiner Reise. Das Auto im tiefen Sand auf Spur zu halten, war schwere als gedacht, vor allem da die Lenkung nicht wie aus Europa gewohnt direkt agierte sondern recht schwammig war. Auch griff die Kupplung sehr spät, aber nach einigen Minuten hat man sich an die technischen Bedingungen gewöhnt und die Strecke durch Tiefsand und kleine Flüsse machte vor allem nur Spaß. Ein Adler der sich mit breiten Schwingen auf einem Baum niederlies, Jungfernkraniche an einer Wasserstelle sowie Nilgau und Antilopen kreuzten meinen Weg, der immer tiefer ins ländliches Rajasthan führte.

Uday und sein Bruder Ajit sind hier aufgewachsen, sie kennen die Bauern, die mich freundlich zum Essen einladen. Es sind weit und breit keine anderen Touristengruppen zu sehen. Die Begegnung mit Indien ist hier authentischer, wie sie nicht sein kann.  Ich komme in erster Linie als privater Gast von Uday zu den Menschen und nicht im Rahmen eines kommerziellen Programmes. Die  Menschen leben immer noch von der Landwirtschaft, nicht von Touristenbesuchen. Einige  die ich hier kennenlernen dürfte, haben mit und für Uday gearbeitet u. der ihm entgegengebrachte Respekt ist überall deutlich zu spüren.

Am Abend erreichen wir dann schließlich sein „Camp“.  Zwei mobile Zelte sind im puren Nirgendwo aufgebaut. Vor uns liegt eine weite, offene Ebene, hinter uns eine hohe Felswand. Abendessen bei Kerzenlicht, unter einem klaren Sternenhimmel  und weit und breit nur 2 Menschen, eine allumfassende Ruhe und totale Entspannung.

Die Zelte sind einfach, aber zweckmäßig eingerichtet: ein Bett, ein Rack für das Gepäck, Waschbecken, Wasserbehälter, Dusche und WC. Luxus steht hier nicht für die Einrichtung. Es ist vielmehr die angenehme und hier passende Reduzierung auf das Wesentliche, das Abenteuer in freier Natur.

Uday & Ajit bieten keine Standard Selbstfahrerreise an, mit schlüsselfertiger Autoübergabe und kurzer  Einführung. Es ist vielmehr ein holistisches Rajasthan-Erlebnis. Je nach Vorliebe kann man wählen zwischen einer nur kurzen Begegnung mit dem ländlichen Indien im Rahmen einer Tagestour. Wer einmal romantisch übernachten möchte, wählt ein 2 Tages Programm mit einer Nacht im Zeltcamp.

Auch eine klassische, begleitete Selbstfahrer Tour mit max. 4 Fahrzeugen (8-10 Teilnehmer) wird z.B. ab Mandawa angeboten, mit 7 Tagen auf Nebenstraßen, Pisten und off-road. Übernachtet wird hierbei  in Hotels und 2 x auch im Zeltcamp. Der Ablauf ist flexibel, angepasst an die Änderungen in der Natur und hat somit Expeditionscharakter.

Das Fahren auf öffentlichen Straßen selbst stellt  keiner allzugroßen Anforderungen. Hunde, die sich auf dem Asphalt wärmen, Kühe, die nicht daran denken nur wegen eines entgegenkommenden Gefährts ihren Platz in der Mitte der Straße zu räumen, Ziegen, Schafe oder auch diverses Federvieh - all dies hat man auch bei Afrikas Landstraßen. Die große Herausforderung in Indien sind die meist, für Europäer unorthodox und somit nicht einschätzbaren indischen Fahrer. Deshalb wird auch nur im Konvoy gefahren mit Uday im 1. Fahrzeug und Verbindung über walky-talky.

Die Tour durch Rajasthan ist erst ein Anfang. Für die Zukunft ist eine weitere Option durch den Süden des Landes geplant, durch mehrere Kaffeeplantagen und Naturschutzgebiete Keralas. Auch hier steht wieder der private, authentische Aspekt im Vordergrund. Man kennt die Plantagenbesitzer, meist sogar durch direkte familiäre Kontakte. Auch eine Expeditionstour von Delhi bis nach Srinagar ist eine durchaus umsetzbare Vision.