Ladakh

 

Gebetstrommel in Leh

Blumen bei Alchi

Khardungla Pass

Shanti Stupa

Markt in Alchi

Diskit im Nubra Tal

Pangong Tso

Thiksey Gompa

Ladakh - Land der Pässe, Berge, Klöster und Seem

Ich hatte damit gerechnet, dass es nachts kühl wird, aber an  Minusgrade habe ich dabei nicht gerade gedacht. Nur die dünne Zeltwand meiner Jurte trennt mich von der windigen, dunklen Nacht am klaren Pangong Lake und ich danke meiner Eingebung eine Daunenjacke mitzunehmen.
Die Sonne wärmt das Gebiet, mit ihrem Auf-und Untergang ändert sich die Temperatur dramatisch.
Der in verschiedensten Blautönen schimmernde, glasklare Pangong Tso oder See war das eigentliche Ziel und die Motivation für meine Reise. Der 130 km lange und 8 km breite Salzwassersee  ruht eingerahmt von bis zu 6000 Meter hohen Bergen, immerhin selbst noch auf einer Höhe von 4250 Meter.
Obwohl der See besonders seit dem Bollywood Movie „Three Idiots“ , dessen Abschlussszene hier spielt, bei der indischen Bevölkerung eine starke Anziehungskraft hat,  ist man immer noch von absoluter Ruhe umgeben, wenn man den kleinen Ort Spangnik meidet, an dem die meisten Zeltunterkünfte zu finden sind.  Selten findet man an unserem Planeten noch Orte, die eine solche Ruhe und Nähe zur Natur ausstrahlen. Keine Geräusche stören die Ruhe, die Luft ist klar und rein und der See vor dem Hintergrund der teilweise schneebedeckten Gipfel, unterstreicht diese fast mystische Atmosphäre.

Wenn man von einer Reise nach Indien berichtet, assoziieren die meisten Menschen prächtige bunte Saris, märchenhafte Paläste, bemalte Elefanten und Tiger. Man vergisst leicht, dass es sich bei Indien um einen Subkontinent handelt, der kulturell und landschaftlich extremste Unterschiede aufweist. Allein 6 Bundesstaaten liegen am Fuße des Himalayas, den man sonst oft nur mit Nepal und Butan in Verbindung bringt.
Ladakh, wörtlich übersetzt „das Land der Pässe“ oder auch Klein Tibet genannt, ist die größte von 10 Provinzen  im nördlichen Bundesstaat Jammu/Kaschmir, der sich eine gemeinsame Grenze mit China und Pakistan teilt, was den auffällig hohen Anteil an Militärposten hier erklärt. Ladakh lag auf der Handelsroute der Seidenstraße, die Zentralasien mit Süd-und Südwestasien verband. Erst seit 1974 wurde das Gebiet für den Tourismus freigegeben. Es ist ein Land der Berge, stahlblauer Seen, Wüsten in Höhenlagen sowie zahlreicher Klöster und Stupas. All dies macht  das buddhistisch geprägte Ladakh zu einer der reizvollsten und interessantesten Ziele Indiens.
Ausgangspunkt für alle Sehenswürdigkeiten, Trekking Touren und Abenteuer ist Leh, das von Delhi mit  Air India und Go Air in knapp einer Stunde erreicht werden kann.  Schon der Anflug ist spektakulär, wenn sich die Maschine in Schleifen zwischen den Bergzügen bis zur Landebahn des auch vom Militär genutzten Flughafens hinunterschraubt.  Auch wer nicht unter der eigentlichen Höhenkrankheit leidet, spürt anfänglich die  3500 m Höhe und mindestens 1 Tag Ruhe, mit eventuell einem kurzen Spaziergang in der Stadt,  muss zur Akklimatisation unbedingt eingehalten werden.   Mir persönlich hat der überall zu bekommende Masala Tee gut geholfen. Ob es nun der Glaube war oder der darin enthaltene Ingwer, er ist auf alle Fälle eine schmackhafte und ungefährliche Droge.
Im eigentlichen Zentrum der kleinen Stadt gibt es zwei Märkte, die ähnlich einer Fußgängerzone gestaltet werden. Das Projekt „schönes Leh“ wurde 2015 gestartet und soll 2016 fertig gestellt sein. Zahlreiche Coffee Shops und Restaurants bieten Frühstück, Snacks, Kuchen und Kaffee sowie freies WLAN, welches aber sehr unzuverlässig ist und öfter mal  ausfällt. Ladakh gilt als sehr sicheres Reiseziel und so können ein Einkaufsbummel oder ein abendlicher Spaziergang gut auf eigene Faust unternommen werden.

17 km von Leh entfernt, dominiert der imposanteste Thiksey Gompa  gut sichtbar auf einem Hügel, die Landschaft.  Dieser Tempel ist einer der größten in Ladakh. Hier leben circa  500 Mönche.  Im Hof befindet sich ein neuer Tempel aus dem Jahr 1980, der dem Maitreya oder Zukunft Buddha gewidmet ist. 
Die weißgetünchte Shanti Stupa aus Stupa liegt außerhalb der Stadt ebenfalls auf einer Anhöhe und bietet einen wunderschönen Panoramaausblick über das Indus Tal und Leh. Dieser Stupa wurde von Japan als Symbol für den Frieden erbaut und 1992 vom Dalai Lama eingeweiht.

In den ersten Tagen fallen die Schritte noch schwer, vor allem beim Aufstieg zu den Klöstern, die bis auf das Alchi Gompa – das einzige ebenerdige Kloster - alle in großer Höhe auf den Bergen liegen.  Schon wenige Stufen lassen mich nach Luft schnappen und ich erinnere mich daran, dass ich eigentlich schon längst etwas für meine Fitness machen wollte. Aber mit jedem Tag wird es einfacher. Und so stecke ich dann auch locker die Überquerung des höchsten befahrbaren Passes, des Khardungla Pass (5380 Meter) weg. Bis vielleicht auf die schier endlosen Serpentinen, in denen sich die schmale, ungesicherte Straße um die Berge windet und die bei dem einen oder anderen leichte Übelkeit aufkommen lassen kann.  Gegenverkehr scheint hier unmöglich und doch teilen wir uns mehrmals den Fahrweg mit Kleinlastern und Bussen.  Eine Armada von Motorradfahrern aus aller Welt, bis hin zu Radfahrern aus der Schweiz  -  auf der Strecke trifft man auf so ziemlich alles, was Reifen hat.

Vom Gipfel geht es anschließend wieder 2000 Meter in die Tiefe. Nach circa 4 Stunden Fahrt erreiche ich dann das Nubra Tal. Nubra war einst ein wichtiger Umschlagpunkt für den Handel auf der Seidenstraße und bedeutet übersetzt „grün“. Ein zentraler oasenartiger Streifen, der im Sommer mit zahlreichen bunt blühenden Wildblumen bedeckt ist, hebt sich von der  wüstenartigen, grauen Umgebung und den Bergen ab. Überhaupt haben es mir die vielen bunten Blumen angetan, auf die man bei jeder Gelegenheit trifft. Man fühlt sich richtig zum Drücken auf den Auslöser der Kamera gedrängt, um die natürliche Schönheit dieser Pflanzen auf einem digitalen Bild zu verewigen.  Nubra ist das tiefste Tal in Ladakh und weist ebenfalls zahlreiche Tempelanlagen auf. Die bekanntesten sind Samsthaling und das Diskit Kloster welches zur „gelben“ Sekte gehört, dessen Oberhaupt der Dalai Lama ist. Hier leben 120 Mönche. In der Gebetshalle befinden sich mehrere Statuen, eine davon hält den Kopf und den linken Arm eines türkischen Feldherrn. Sie soll über 5000 Jahre alt sein.

Man geht davon aus, dass der Buddhismus in Ladakh früher vertreten war als in Tibet. Die ersten buddhistischen Missionare sollen aus Kaschmir gekommen sein. Der Buddhismus wird mehr als Philosophie angesehen und weniger als Religion, da Buddha erstens ein Mensch war und die Lehren in überwiegendem Maße auf meditativen Erkenntnissen basieren. Der in Ladakh gelebte Buddhismus ist tantrisch geprägt, mit Elementen der ursprünglichen Bon Religion. Er vereint neben den reinen Verhaltenslehren und ethischen Regeln auch die Darstellung und Verehrung zahlreicher Gottheiten und symbolträchtiger Bilder.

Allgemeine Hinweise:
Anreise: tägliche Flüge ab Delhi mit Air India oder Go Air ;  mit dem Fahrzeug ab Manali
Beste Jahreszeit: Juli / August
Unterkünfte: von Luxus, über authentisch bis zu Zeltcamps