Kerala,Karnataka

 

 

Meine Reise nach Kerala begann im Nachbarstaat Karnataka, genauer in Bangalore. Durch den IT Boom der letzten Jahren ist diese Stadt mächtig gewachsen, was man vor allem deutlich am Verkehr merkt. Wer glaubt Delhi wäre schon kurz vor dem Verkehrskollaps, hat Bangalore noch nicht erlebt. Das Silicon Valley Indiens hat touristisch nicht allzu viel zu bieten, aber 1 Tag kann man sich hier doch sehr gut beschäftigen. Dabei beeindruckt die Stadt auf den 1. Blick durch die in bunten Farben blühenden Jacarandabäume und überhaupt die großzügigen Grünanlagen. Will man stilecht und stimmungsvoll die Reise beginnen, sollte man wie unsere Kanzlerin bei ihrem Besuch im Taj Westend absteigen, einem Luxushotel mit kolonialem Heritage Flair, umgeben von einer opulenten Parklandschaft. Wer es intimer u. kleiner möchte, für den bietet das vom Besitzer betriebene Metropole einen ähnlichen Heritage Stil Ansatz.

Von Bangalore ging es per Auto über Mandya, das als 1. Stadt Indiens 1912 elektrischen Strom erhielt,  nach Mysore. McDonald, Kentucky Fried Chicken und diverse Kaffeeketten haben auch in diesem Teil der Welt Ihre Wurzeln geschlagen, boten aber an der Strecke willkommene hygienische Toiletten u. eben auch einen guten Kaffee. 

Mysore gilt, mit an die 240 vorhandenen Bauten, als "city of temples". Geradezu überwältigend und ein absolutes MUSS ist hierbei der im Zentrum der Stadt befindliche Mysore City Palace aus dem 14. Jhd. Verschiedene Baustile sind hier vereint und sogar gotische Elemente stechen deutlich aus der zuckerbäckerartigen Außenfassade hervor. Wen das noch nicht beeindruckt hat, den nimmt die Innenausstattung geradezu den Atem. Wände, Säulen und Kuppeln sind mit Malereien und Fresken geradezu überhäuft, die Vergleiche mit Kirchen in Rom durchaus zulassen. Sonntag nachts erstrahlt der Palast wie im Märchen, wenn Tausende kleiner Lampen seine Umrisse nachzeichnen.

Auf der weiteren Fahrt nach Südwesten traf ich schließlich in Kabini ein. Eingerahmt zwischen den beiden Nationalparks Nagarhole (seit 1994 offiziell ein NP) und Bandipur ist Kabini der ideale Ausgangspunkt für Safaris. Zahlreiche Resorts mit unterschiedlichen Ansätzen stehen zur Auswahl, darunter Orange County, das mittels Bootstransfer von Kabini aus erreicht werden kann. Die mehrfach ausgezeichnete romantische Anlage ist im Stil eines Dorfes angelegt, an zwei Seiten vom Kabini Fluss begrenzt, mit herrlichem Ausblick und stimmungsvoller Ausstattung.

Eine ganz andere Landschaft bot sich dann in Wayanad, einem 2.ooo m hohem Waldgebiet in den Western Ghats. Tropischer Regenwald mit dichtem Grün in diversen Schattierungen, Wasserfälle, Tee- und Gewürzplantagen prägen das Bild. Wer hierher reist, muss zwar die schmale Serpentinenstraße aushalten, wird dafür aber mit Ruhe, Abgeschiedenheit und traumhaften Ausblicken sowie zahlreichen Wanderwegen belohnt. Ob Mountainbiking, herausforderndes Trekking oder nur gemütliche Spaziergänge - immer steht das Erlebnis im "Grünen" im Vordergrund. Circa 10 km vor der Stadt Kalpetta liegt die Kleinstadt Vythiri - ein Zentrum für typische Wayanad Aktivitäten.  Wer das etwas andere Erlebnis sucht, kann hier im Baumhaus des Vythiri Resorts in großer Höhe übernachten. Es ist als Erlebnis gedacht, man darf nur wenig Gepäck u. kein Essen mitnehmen, schläft dafür im Reich der Affen, von der Erde entrückt. 

Mit dem Auto ging es weiter nach Calicut, das heute Kozhikode heißt und wo Vasco da Gama 1498 das 1. Mail in Indien an Land ging. Von hier ging es dann per Zug in 3 Std. nach Aluva, wobei die Pünktlichkeit und der absolut sichere Haltepunkt an vorgebener Stelle immer wieder verblüfft. Bahnfahren in Indien ist ein Ereignis, dass jeder Indien Fan einmal erlebt haben sollte. Es sind eigentlich sehr bequeme, wenn auch abgenutzte Sitze, mit Steckdosen für Laptop oder Handy und die Fahrgäste werden emsig von, mit Getränken und Lebensmitteln  durch den Zug streifenden Händlern versorgt. Endstation für diesen Tag war dann das 120 km entfernte Munnar, wofür wir nochmals 3 Std. im Auto benötigten.

Am Zusammenfluss von 3 Gebirgsflüssen (Munnar bedeutet 3 Flüsse) , liegt diese ehemalige britische Hillstation 1.600m hoch. Teeplantagen, ein Teemuseum (zugegeben recht klein) u. zahlreiche Resorts mit altem kolonialem Charme bestimmen das Bild. Unterkünfte schießen hier faktisch wie Pilze aus dem Boden, was sich an Hand des Schilderwaldes an manchen Straßen nicht verleugnen läßt. Viele davon sind für einhemische Touristen gedacht, ein Bereich der immer mehr ansteigt. Europäer hingegen lieben es auf aktiven Farmen in einer Art Homestay zu wohnen wie z.B. das Tranquil Resort, wo man von den 4 äußerst freundlichen Haushunden (darunter 1 Boxer und 1 Dalmatiner) bei Wanderungen begleitet wird. Oder der koloniale Klassiker Windermere Resort, ebenfalls eine aktive Kaffee- und Kardamonplantage. Besonders beeindruckt hat mich Spice Tree, das über eine eigene Kompostierung verfügt, kein Plastikverwendet und eigenes, biologisch angebautes Gemüse nutzt. Derzeit werden neue Bäume angepflanzt um hemischen Vögeln ein neues Zuhause zu bieten.

Keralas Midlands sind ein Mosak unterschiedlichster Geoformen, wobei im Distrikt Idukki extensiv Gewürze wie Kardamon,Nelken,Vanille oder Pfeffer neben u.a. Cashewnüssen, Mango, Bananen, Kaffee oder auch Reis angepflanzt werden. Thekkady am Fuße der Western Ghats war das 1. Naturschutzgebiet des Staates. Hier liegt auch das Periyar Tiger Reserve, das über 60 Säugetierearten zählt, darunter in bedeutender Zahl Elefanten. Eine erfahrungsreiche, nachhaltige Unterkunft bietet hier das Spice Village u.a. mit einem großen botanischen Garten.

Endlich erreichte ich dann die Backwaters, ein einmaliges Ökosystem u. Wasserwegenetz aus Flüssen, Seen und Lagunen.  Die früher zum Warentransport genutzten Kanäle sind heute beliebte touristische Ziele für einen Ausflug mit dem Hausboot. Kein Wunder, den die Szenerie durch die palmengesäumten Wasserläufe, vorbei an hübschen Häusern und ländlichem Leben, straht Ruhe und Entspannung aus. Auch wenn mittlerweile leider ein recht starkes Verkehrsaufkommen an Booten zu verzeichnen ist.  Kumarakom ist einer der Seen, die ich besuchte, mit wunderschönen Resortanlagen im Malabarstil mit geschnitzten Decken, Wänden oder Türen, Grasgedeckte Chalets und großen Gartenanlagen mit Kokospalmen. Umso verblüffter war, dass auch hier die Ansätze eines nachhaltigen Tourismus, unabhängig von der Größe der Anlage, sehr ernst verfolgt werden, sei es durch Wasserrecycling, Platikverbot oder Solarnutzung.

Die Backwaters und die Küste des Arabischen Meers sind auch die Zentren der Ayurvedischen Behandlung. Ayurveda, die Wissenshcaft des Lebens, ist eine ganzheitliches medizinisches Konzept, das vor allem in Kerala in seiner traditionellen Weise praktiziert wird. Das feucht-warem tropische Klima unterstützt die Behandlung und auch die verwendeten Pflanzen sollen hier angeblicher reicher an Wirkstoffen sein.

Zum Endpunkt meiner Informationsreise erreichte ich dann schließlich Kochi, die Hafenstadt mit historischen Wurzeln. Neben einigen elementaren Sehenswürdigkeiten, wie die St. Francis Church, 1503 erbaut und die ältestes europäische Kirche, das Fort Cochin, der Clock Tower oder die Jüdische Synagoge, erbaut 1567, sind es vor allem die mediterane Atmosphäre und die zahlreichen Möglichkeiten hier zu bummeln, das die Stadt so faszinierend macht. Vor allem Antiquitäten aus Holz, Bronze oder Stein sowie traditionelle Dekoelemente oder auch moderne Utensilien können erworben werden. Zum Übernachten gibt es für jeden Geschmack eine Option, ob in einer Art Boutique Hotel im portugiesischen Stil (Eight Bastion), im historisch-kolonialem Stil im charmanten Old Harbour oder klassich im wunderbaren Brunton Boatyard, einem CGH Hotel. Wer einmal etwas ganz Neues probieren möchte, wählt das Xandari Harbour, welches im Loftstil puristisch klare Linien zeigt und dennoch historische Elemente unverändert integriert.